april 2021

mi21apr18:00TippFreundbilder18:00

Veranstaltungsdetails

Freundbilder – eine Foto-Aktion von Karin Günther-Thoma (1996)

Freundbilder. Was für ein schönes Wort, was für eine schöne Idee, die dahinter steckt. Den viel zu weit verbreiteten Feindbildern etwas entgegensetzen, Freundbilder eben. In einer Zeit, lange bevor es Facebook & Co. gab. Denn das Foto-Projekt der Rosbacher Fotografin Karin Günther-Thoma entstand 1992 als Reaktion auf die fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Rostock und Hoyerswerda, gezeigt wurden die Fotografien dann 1996 auf 600 Großbildwänden im gesamten Frankfurter Stadtgebiet. Das ist 25 Jahre her. Fünf-und-zwanzig Jahre! Und doch könnte man die Aktion heute genauso wieder durchführen – Fremdenhass und rassistisch motivierte Gewalt, auch Morde, gehören immer noch nicht der Vergangenheit an. Die Foto-Aktion wollte dem damals etwas entgegensetzen: „Freundbilder“ warb für Toleranz und ein verständnisvolles Miteinander in kultureller Vielfalt. Die Aktion lebte von aktiver Mitgestaltung durch die über 150 Porträtierten selbst, die die Anonymität der Masse verließen, um mit eigenen, ganz persönlichen Aussagen für die Unantastbarkeit der Menschenwürde, den vornehmsten Artikel unserer Verfassung, einzutreten. Und das ist heute so notwendig wie damals:
Am 19. Februar ist der rassistische Anschlag in Hanau ein Jahr her. Immer noch trauern wir um die Opfer #saytheirnames – und erinnern uns heute an Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin.

„Diese Aktion könnte man heute genauso durchführen“, das dachte sich auch eine unserer Kolleginnen, die mit Karin Günther-Thoma befreundet ist. Die beiden unterhielten sich über Veranstaltungen, die wir gemeinsam mit dem VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) planen. Da erzählte die Fotografin von ihrer damaligen Initiative und unsere Kollegin erinnerte sich sofort an die groß angelegte Plakat-Aktion in den 1990ern. Als sie in unserer wöchentlichen (virtuellen) Teamsitzung davon sprach, waren alle gleichermaßen betroffen und begeistert. Betroffen von der Kontinuität von Rassismus hierzulande, begeistertet von der couragierten und kreativen Aktion damals. Ein Kollege kam dann auf die Idee: „Warum wiederholen wir die Aktion denn nicht tatsächlich? Zumindest hier bei uns auf dem Gelände? Und machen virtuell darauf aufmerksam?“
Gesagt, getan. 17 der A1 Plakate zieren jetzt den Hof der Brotfabrik und weitere Porträts haben wir in unserer verwaisten Bar aufgehängt. Nun ist es zwar so, dass wir derzeit ja keine Veranstaltungen durchführen und damit auch niemand in unsere Bar kommt und auch nur wenige Leute den Hof betreten. Aber heute haben wir – im Gegensatz zu 1996 – die Möglichkeit, die Fotos über das Internet zu verbreiten. Und im Jahr 2021 sollte es doch möglich sein, mindestens ebenso viele Menschen – halt virtuell – mit den Fotos zu erreichen wie damals über die Plakatwände?
Wir wollen es zumindest versuchen und freuen uns, wenn Ihr uns dabei unterstützt.

Für Weltoffenheit, für Vielfalt, für Akzeptanz und ein tolerantes, verständnisvolles Miteinander!

Euer Team der Brotfabrik

Mehr Fotos hier

Übrigens: Die Original-Fotografien und Plakate könnten vielleicht auch weiter wandern? Wenn jemand Interesse hat, meldet Euch gern unter presse@brotfabrik.de

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