juli 2022

so03jul11:00antifa ErzählcaféIn Kooperation mit der VVN-BdA Frankfurt11:00 Art:PodiumGenre:Gespräch

Veranstaltungsdetails

antifa Erzählcafé
Wolfgang Abendroth (1906-1985): Partisanenprofessor im Lande der Mitläufer
Mit Elisabeth Abendroth
Sonntag, 03.07.2022, um 11.00 Uhr in der Brotfabrik.
Eintritt frei.
„Persönlichkeiten haben ihren Rang in der Geschichte, einen größeren, als manche Dogmatiker annehmen. Sie haben ihn gerade dann, wenn sie wissen, dass sie nicht beliebig ‚Geschichte machen‘ können.“ (Wolfgang Abendroth 1979)
Wolfgang Abendroth (1906-1985) Partisanenprofessor im Lande der Mitläufer:
Marxist, Hitlergegner, Staats-, Verfassungs- und Völkerrechtler, Interpret des Grundgesetzes, Historiker der europäischen Arbeiterbewegung, Mitbegründer der Politikwissenschaft im Nachkriegsdeutschland, gilt als einer der prägendsten politischen Intellektuellen der frühen Bundesrepublik.
Sozialisiert in der Arbeiterbewegung, kämpfte er von Anbeginn an im Widerstand gegen den Faschismus. Vor dem Sieg der Nazis in Zusammenschlüssen von Sozialisten und Kommunisten, die er initiierte und anregte (weshalb er 1928 aus der KPD ausgeschlossen wurde); danach im vorübergehenden Schweizer Exil als Courier; zurückgekehrt nach Berlin und Postdam in illegalen Widerstandsgruppen, später in Folterhaft und Zuchthaus, danach als „wehrunwürdiger Soldat“ im Strafbataillon 999, zuletzt als Partisan in den Reihen der griechischen Freiheitsbewegung ELAS.
Nach dem Krieg und nach seiner Flucht aus der damaligen „Sowjetischen Besatzungszone“ – vor der Gründung der DDR – wurde er eine wichtige Stimme der „neuen Linken“, besonders nach seinem Ausschluss aus der SPD 1961 – und einer der wichtigsten Mentoren der Studentenbewegung, der „68er“. In Marburg, wo er über zwanzig Jahre als Hochschullehrer gelehrt hat, und in Wuppertal-Elberfeld wird im Stadtbild an ihn erinnert. In Frankfurt erinnert nichts an ihn. Denn nur wenige wissen: Der „Partisanenprofessor im Lande der Mitläufer“ (Jürgen Habermas) hat die meiste Zeit seines bewegten Lebens in Frankfurt am Main verbracht. 1911 kam er als Vierjähriger mit seinen Eltern hierher. 1924 machte er Abitur an der Musterschule, 1930 legte er an der Frankfurter Universität das erste juristische Staatsexamen ab. Im Frankfurter Gericht wurde er als noch nicht 14-Jähriger zum ersten Mal überhaupt, als Rechtsreferendar am 1. April 1933 zum ersten Mal im Hitlerstaat verhaftet. Im Frankfurter Polizeigefängnis saß er im Sommer 1937 in Untersuchungshaft.
Seine 1947 geborene Tochter, die Sozialwissenschaftlerin Elisabeth Abendroth, hat zwischen 1987 und 2012 die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus in Frankfurt und Hessen maßgeblich mitgestalten können. Sie wird über den Widerstand ihres Vaters gegen Hitler berichten.
X